Mittendrin

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Letzen Samstag, 27. März 2021 fand in Hamm ein Fotowettbewerb statt mit dem Thema „der zweite Blick – mittendrin“. Die Volkshochschule Hamm veranstaltet diesen Wettbewerb schon seit einigen Jahren mit Unterstützung des Ortsheimatpflegers Hamm-Mitte, dem Stadtarchiv und dem Hammer Geschichtsverein. Der Wettbewerb gestaltete sich in Form einer Fotoerkundung durch die Hammer Innenstadt, die Zeitdauer betrug ca. 4 Stunden.

Das Wetter am Samstagmorgen war eine Katastrophe mit Starkregen, Hagel und Gewitter (einer der Blitze war wohl so stark, dass die Meteorologen von einem „wilden Hausrüttler“ sprachen). Es war morgens also noch nicht abzusehen, ob der Wettbewerb unter diesen Umständen stattfinden könnte. Aber der Himmel klarte auf und der Wettbewerb fand statt – nur unterbrochen von einigen starken Schauern.

Der Wettbewerb findet unter der Überschrift „Der zweite Blick“ statt. Das Thema des Tages war „Mittendrin“. Die Überschrift ist für Hamm hervorragend gewählt, viele liebenswerte Aspekte zeigen sich in Hamm erst auf den zweiten Blick. Zusätzlich, wenn man in Hamm aufgewachsen ist, geht man normalerweise an vielen markanten Stellen wie selbstverständlich, ohne Notiz zu nehmen, vorbei. Da schärft ein solcher Wettbewerb die Sinne und man bleibt an Stellen stehen, die man ansonsten leicht übersehen hätte.

Das Thema „Mittendrin“ ist auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz ohne, aber bei einem Rundgang durch die Innenstadt von Hamm ist man ja gewissermaßen schon mittendrin. Und bei dem Wetter war man auch mittendrin, das Blogfoto zeigt einen heftigen Regenschauer vor der Kulisse eines alteingesessenen Möbelhauses. Ob Fußgängerzone, Innenhof, Biergarten, Strassenansicht oder Kunstviertel, die Ansichten geben tatsächlich den Eindruck, mittendrin zu stehen. Mittendrin bezog sich an diesem Tage eher mit Sicht auf die Ansichten und Ausschnitte, nicht aber mittendrin unter Menschen. Die Innenstadt war nämlich ausgesprochen menschenleer, das war sicher dem unbeständigen Wetter zuzuschreiben und den Corona-Maßnahmen.

Foto 1: Geschäftshaus Lommel mit Persiluhr

Am Eingang der Fußgängerzone auf Höhe des Westentors befindet sich das Geschäftshaus Lommel von 1927 im Stil des Backsteinexpressionismus. Ebenfalls in den 1920-er Jahren wurden die Persiluhren von der Firma Henkel in verschiedenen Städten aufgestellt. Heute sind diese Uhren alle durch moderne, funkgesteuerte Modelle ersetzt. Das Westentor ist normalerweise ein Hauptverkehrsknoten in der Stadt Hamm, man ist also mittendrin im Trubel, an diesem Samstag um 14:40 waren aber kaum Menschen unterwegs.

Foto 2: Hinterhof „Alt und Neu“

Weiter die Ritterstrasse entlang ist vieles im Umbruch. Zwischen Ritterstrasse und Westenwall gibt es unerschlossene Brachflächen. Die Ritterpassage steht unmittelbar vor dem Abriss um einem neuen Projekt mit dem Namen „B-tween“ zu weichen, dessen Zukunft angesichts vager Aussagen des neuen Besitzers bzgl. der Ankermieter nicht mit Zuversicht erfüllt. Weiter Richtung Brüderstrasse wir die Bebauung wild. Es gibt neues und altes durcheinander. So ist der ehemalige Brennereiturm der Hefefabrik August Asbeck um Anbauten ergänzt und zu einem Wohnhaus umgebaut. Gegenüber liegt ein kleines Fachwerkhaus inmitten der wilden Gebäudeformationen, die aus den Bombardierungen während des Zweiten Weltkrieges nur unvollständig wiederaufgebaut wurden. Inmitten dieser Wildnis liegt in einem Hinterhof ebenfalls altes und neues dicht beieinander in Ruhe und Harmonie.

Foto 3: Biergarten „Alt Hamm“

Inmitten von Autoverkehr, der sich dröhnend über die B63 wälzt und dabei die Innenstadt von Hamm von Süden nach Norden durchschneidet, liegt an der Ecke zum Nordenwall eine Rückzugsmöglichkeit. Die historische Gaststätte Alt Hamm aus dem Jahre 1739 erkennt man neben dem Schriftzug an den Bleiglasfenstern mit Motiven der ehemaligen Klosterbrauerei in Hamm. Hinter der Gaststätte mit Blick auf die Pauluskirche und den Nordring gibt es einen kleinen Biergarten, der zu einer Rast und einem kühlen Bier einlädt – wäre da nicht das schlechte Wetter und die Corona-Maßnahmen.

Foto 4: Oststraße

Der Blick geht über die Oststraße in Richtung Ostentor. Als Verlängerung der Fußgängerzone ist die Oststrasse zurückgebaut, der Verkehr ist durch Parkinseln und Einbahnführung beruhigt, so daß man sich dort nun entspannt als Fußgänger oder Radfahrer bewegen kann. Linkerhand liegt das Klosterdrubbel mit historischem Bezug zum Standort der ehemaligen Klosterbrauerei. Es gibt dort viele Möglichkeiten auch kleine Geschäfte anzusiedeln, die Kaufkraft ist in Hamm jedoch gering, daher wird die Entwicklung nur langsam erfolgen.

Foto 5: Lutherviertel

Östlich der Lutherkirche im Bereich Nassauerstraße, Sternstrasse , Martin-Luther-Straße hat sich ein Künstlerviertel gebildet, das sich über einige Jahre als ein fester Bestandteil in Hamm’s Kulturleben etabliert hat. Am Kirchplatz finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt, in die auch die Partnerstädte der Stadt Hamm mit eingezogen werden. Auch die Dachgiebel sind nunmehr farblich gestaltet worden, so daß sich der Blick in die Martin-Luther-Straße gleich zweimal für eine Ansicht der Lutherkirche öffnet.

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